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Jennifer Schreiner: In der Dunkelheit Edens - die bisherigen Folgen:

Liebesgeschichte

Adam und Eva. Wir kennen die Geschichte. Doch was wäre, wenn Eva nicht Adam in Versuchung führte? Sondern selbst in Versuchung geführt würde? Von jemand anderem - aus der Dunkelheit Edens. Jennifer Schreiner erzählt es.

2 - Das Glück in den Armen Adams

Aber ich war auf mich allein gestellt.

Allein.

Nur Jahves Worte, die in mir widerhallten. Seine Aufforderung, tiefer in die Schöpfung zu blicken, bevor ich sie weiter verdammte und ihn anklagte.

Was ich nicht verstand, musste ich verstehen lernen, oder?

Ich beschloss, dort anzufangen, wo meine Probleme begannen: Ich sammelte Materie um mich und wurde Fleisch – ein Engel in der Materie.

Ohne darüber nachzudenken, hatte ich einen männlichen Körper gewählt. Anscheinend konnten auch Engel in der Materie nur eine von beiden Formen haben.

Ich verzichtete auf meine Flügel und setze Körperprozesse in Gang. Ich hatte damit gerechnet, mich schwach zu fühlen, fehlbar und verletzlich. Stattdessen fühlte ich mich vollkommen und stark, wie nie zuvor.

Ich fühlte meine Männlichkeit und wusste mit einem Mal, worauf es ankam, wenn man ein Geschlecht hatte.

Ich erkannte die Stärke, die darin lag – und die Schwäche.

Emotionen tobten in mir, die ich nicht kannte. Die stärker waren als der Verstand, und das Fleisch kannte seinen Gegenpol und verlangte nach ihm! Es wollte eine Vereinigung, es wollte vollständig sein, wenn auch nur für einen Augenblick.

Ich war schockiert und löste meinen materiellen Körper sofort wieder auf.

Das war es? So etwas Primitives, um Vollkommen zu sein?

* * *

„Samiel, du bist verbohrt!“, behauptete Gabriel, nachdem ich ihm von meinen neusten Vermutungen erzählt hatte. Er war der einzige Engel, der so mit mir reden durfte. Mein Gabriel, der zweite Engel; der Engel, der direkt nach mir erschaffen worden war.

„Wenn du die Frau sehen könntest, würdest du mir Recht geben! Jahves Schöpfung ist vollkommen!“

Ich schnaubte höhnisch. Nach meinem geheimen Experiment mit der Materie würde mir das niemand weismachen können.

„Sie ist wunderschön und sie bemüht sich genauso zu sein, wie du dir die perfekte Schöpfung vorgestellt hast.“

Ich starrte zu Boden, damit Gabriel meine Wut nicht erkennen konnte. – Er hatte ja keine Ahnung!

„Sind sie glücklich?“ Ich stellte eine Frage, die mich interessierte.

„Ich weiß es nicht!“, gab er zu. „Ich glaube, sie hasst Eden und sie mag Adam nicht.“

„Du redest immer nur von ihr!“ Meine Bemerkung klang viel boshafter, als ich es geplant hatte.

Gabriel zuckte zusammen, als er erkannte, dass ich Recht hatte.

„Vielleicht liegt es daran, dass wir ihre Gedanken nicht lesen können?!“

Eine vorgeschobene Entschuldigung für seine Gefühle, die er noch nicht deuten konnte. Ich schnaubte. Emotionen!

„Vielleicht hat sie ja gar keine!“, kommentierte ich bissig. „Ich hasse sie!“, fügte ich hinzu. Wenn sie Eden hasste, musste ich sie hassen! Eden musste funktionieren!

Gabriel schluckte. Es sah so aus, als wolle er widersprechen, doch als er mir in die Augen sah, verzichtete er darauf. Er sah, dass es stimmte.

* * *

Wie sehr ich sie hassen wollte, sollte sich schon wenig später zeigen, als sich die Finsternis um mich zusammenzog, um ein Monster um mich herum zu bilden.

Ich wusste von Jahve, dass dies Teil meiner Strafe war. Ich würde für die Menschen immer ein Monster sein. Also war ein Mensch in meinem Labyrinth.

Ich wusste intuitiv, es würde die Frau sein. Die Frau, die Eden hasste!

Es kostete mich Mühe zu warten, bis sie in der Mitte des Labyrinthes war. Erst dann versperrte ich ihr den Weg zurück nach Eden.

Wenn ich ihr genug Angst machte, würde sie zurückkehren wollen und in den Armen Adams ihr Glück finden!

Ich schaute sie nicht an, sondern ging die Treppe hinab, bis ich kurz vor ihr stand. Erst als ich ihr Lachen hörte, sah ich auf.

Überrascht sog ich Luft ein und starrte sie an.

Sie sah unschuldiger aus als jeder Engel, und sie lachte mit einer Herzlichkeit die ich seit dem Beginn der Materie bei den Engeln vermisst hatte.

Sie lachte mich aus!

Ich trat näher an sie heran, bis ich sie roch. Wie Eden!

Mir wurde schwindelig, trotzdem verringerte ich den Abstand zwischen uns weiter, bis die Dunkelheit sie beinahe berührte.

Sie schloss die Augen. – Gut! Sie hatte Angst vor mir.

Trotzdem traf es mich. Sie war so unschuldig. Sie sollte keine Angst vor mir haben, sie nicht!

Als hätte sie mich gehört, traf mich der Blick ihrer grünen Augen und zog mich in ihren Bann. Ich bemerkte kaum, dass sie ihre Hand gehoben hatte und durch die Dunkelheit griff.

Erst als sie ihre Finger leicht auf meine Wange legten, zuckte ich zusammen.

Sie konnte mich sehen! Mich! Nicht das Monster!

Unter dem Blick ihrer Augen fühlte ich mich schuldig, so als hätte ich es verdient, unter Eden zu hausen, ausgeschlossen von Himmel und Schöpfung.

Wut knotete sich im meinem Magen zusammen. Ich wollte, ich brauchte ihr Mitleid nicht.

Trotzdem brachte ich nicht die Kraft auf, zurückzuweichen.

Stumm beobachtete ich, wie Tränen ihre Wangen hinab rannen. Sie weinte um mich. Mein Inneres krampfte sich zusammen und erstickte meine Wut. Sie kannte mich nicht und trotzdem schenkte sie mir ihre Tränen.

Ein bitteres Schuldgefühl machte sich in mir breit.

Ich war nicht schuldig! – Aufgebracht trat ich zurück und musterte sie provozierend.

„Das ist also einer dieser Menschen!“, stellte ich mit beißendem Spott in der Stimme fest. Ich wollte sie abwerten, ihre Schönheit, ihr Mitleid und die angebliche Fähigkeit so perfekt zu sein, wie ich sie wollte.

„Die Frau, von der alle Engel reden!“, schoss ich hinterher. Sie hielt meinem anklagenden Blick stand.

Einsamkeit und die Suche nach einem Sinn in der Schöpfung las ich in ihren Augen und verlor mich für einen Moment in ihnen.

Dann wurde ich wütend, weil ich mich in ihr erkannte und weil die Existenz dieser Frau beinahe einen Sinn ergab.

Meine Fragen in der Materie, in den Augen einer Frau zu lesen!

Fortsetzung folgt

LiebesgeschichtenJennifer Schreiner, aufgehender Stern am Himmel der Fantasy-Autoren: Schreiner blogt, twittert, veröffentlicht Kurzgeschichten und Bücher in den Genres Fantasy, Krimi, Erotik. Kostproben ihres Könnens finden sich auf ihrer Webseite oder bei Amazon - Eine Löwin für die Bestie: Erotischer Roman

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Die Reihe "Jennifer Schreiner: In der Dunkelheit Edens" - alle bisherigen Folgen

Die erste Romanfolge der Reihe stehen in der Liste oben, die neueste Romanfolge steht unten.

1 - Die Stimme in meinem Herzen

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