Astrid Martini: Der Schneekönig - die bisherigen Folgen:
Liebesgeschichte
Ein Liebesroman von Bestseller-Autorin Astrid Martini - Amelie will ihren Bruder retten. Der ist in das Reich des gefährlichen Schneekönigs geraten. Doch es bleiben Amelie nur sieben Tage, um das gefrorene Herz des Schneekönigs zu schmelzen. Sonst werden ihr Bruder und sie selbst erfrieren ...
Es war einmal … das ist der Satz, der Märchen und Geschichten einleitet – nicht alle, aber doch einige.
Die Geschichte, die ich hier niederschreibe, hat sich jedoch noch gar nicht zugetragen. Sie wird erst in ferner Zukunft passieren, dann, wenn das Rad der Zeit sich entgegen des Uhrzeigersinns zu drehen beginnt und vieles, was seit langen Zeiten unumstößlich ist, veränderte Vorzeichen bekommt. Ursprung von all dem ist eine mächtige Herrscherin – die Schneekönigin.
Dort, wo Frost und Endlichkeit sich begegnen, wo Nacht und Norden enden, wo Schnee und Eis sich gute Nacht sagen und zur Ewigkeit verschmelzen liegt ihr eisiges Reich. Ihr Palast thront auf einer der nördlichsten und höchsten Klippen, umgeben von silbernem Mondlicht und dem betörendem Glanz unzähliger Eissterne.
Seit Anbeginn der Zeit und Kälte herrscht sie über ihr Imperium: Mächtig, stolz, erhaben und wunderschön. Jedes Jahr bringt sie Eis und Schnee in die Welt, bläulich schimmernde Schneeflocken, die sich im Laufe der Zeit immer unbarmherziger und endlos auf alles legen, was ihnen unterkommt.
Schneewehen, immer härter werdende Winter, die keine Gnade in sich tragen, vernichtend klirrendes Eis und flirrende Eiskristalle, die vom Himmel fallen, und jeden vor Frost erstarren lassen, der von ihnen getroffen wird.
Leid, Angst, eisige Nächte begleiten alle durch die der Schneekönigin innewohnende Kälte, die mehr und mehr aus ihr herausfließt und wie ein gieriger Schlund nach allem greift, was auch nur ein Fünkchen Wärme in sich trägt. Ihre Macht, diese um sich greifende Eisigkeit wohldosiert in die Schranken zu weisen, übt sie schon lange nicht mehr aus. Zu tief sitzt der abgrundtiefe Zorn auf die Menschheit, der bereits seit Jahrhunderten währt.
Es scheint, als wolle sie sich rächen, Stück für Stück erobern, was bisher nicht unter dem ewigen Mantel des Eises verschwunden liegt.
Niemand kann mehr so genau sagen, was ihren tief sitzenden Zorn weckte … ein Zorn, der bis heute ungebrochen ist und von Jahr zu Jahr intensiver in Erscheinung tritt.
Man munkelt, es solle etwas geben, das sie gnädig stimmen könnte … einen Zauber … eine Urkraft … etwas, das ebenso mächtig ist wie sie – leider alles Visionen, die im Nichts verlaufen.
Einige Wagemutige hatten den Weg zu ihr gesucht, um den Schlüssel zu finden, der ihre Unbarmherzigkeit brechen würde. Bisher ist es jedoch niemandem gelungen. Man sah diese Reisenden nie wieder, und es gilt als gegeben, dass ihre bemitleidenswerten Seelen und Herzen von der gierigen Eiseskälte der Schneekönigin verschlungen wurden.
Während ich diese Zeilen niederschreibe, dreht sich die Welt weiter. Was für mich eine Ewigkeit, ist für das Rad der Zeit nur ein Wimpernschlag. Und so wird genau in diesem Augenblick aus Zukunft Gegenwart und aus Gegenwart Vergangenheit.
Während meine tintengetränkte Feder das Pergament berührt, ich Buchstabe für Buchstabe an Ort und Stelle setze, wird bereits Vergangenheit sein, was demnächst geschehen wird …
Der Ort Birkenfels erhob sich auf neun Hügeln, und jeder Hügel wirkte wie bestickt mit den Farben der vier Elemente. Jeden Gipfel zierte eine Kapelle, sanft aufgerichtetes Gras verneigte sich spielerisch im Wind, und das sich zwischen den Hügeln befindliche Tal strahlte Ruhe und Behaglichkeit aus.
Amelie stand auf einem der Hügel mit Aussicht auf die Dächer des Dorfes und blickte in die Ferne. Obwohl ihr die Morgensonne bereits den Nacken liebkoste, glitzerte noch immer Schnee auf den zerklüfteten Bergspitzen.
Die Bewohner des Ortes lagen noch im Halbschlaf. Eine weiche Nebelschicht dämmte alle Laute, verschleierte den Blick zum Fluss, der sich gemächlich durch das Tal zog. Ein friedliches Bild. Ebenso friedlich und beschaulich wie das Dorf selbst.
Auf der Suche nach den ersten sich entfaltenden Wildblumen war sie bereits seit den frühen Morgenstunden unterwegs. Sie war froh, wieder draußen in den Wiesen zu sein, die liebliche Luft tief einzuatmen, dem Klang der Vögel zu lauschen und sich der milden Natur mit allen Sinnen hinzugeben.
Es war ein strenger Winter gewesen, ein Winter, der dazu zwang, sich in warmen Stuben aufzuhalten, hinter zugefrorenen Fenstern auf den Frühling zu warten und sich die eisigen Hände am Kamin zu wärmen.
Und nun endlich stand der Frühling vor der Tür, hatte den Winter mühsam vertrieben und ließ die Knospen sprießen.
Amelies Blick begann zu leuchten, als er, jenseits des nördlichsten Hügels in eine Richtung fiel, in der sich ein zwischen uralten, hochaufragenden Bäumen windender Weg befand, dessen Verlauf man, selbst wenn man unmittelbar davorstand, nur erahnen konnte. Und doch wusste jeder, wo er hinführte. Laut einer Sage führte er ins Reich der Schneekönigin. Am Ende des Weges, der bis zu der Stelle führte, an der sich eine aus Frost und Zauber erbaute Brücke befand, sollte ein schimmernder See ruhen, der sich bis hoch zum Norden zog und dann urplötzlich hunderte von Metern hinabfiel, zu Tausenden von Eiskristallen gefror, die das Schloss der Schneekönigin umgaben. Und wer einmal den Weg durch den Wald über die Kristallbrücke bis zum Eissee und weiter bis zum Palast beschritten hatte, kehrte nicht wieder zurück, denn wer sich nicht in den Tiefen des Waldes verirrte und dort umkam, wurde im Reich der Schneekönigin festgehalten und erstarrte zu ewigem Eis.
Schon als Kind wurde Amelie immer vor dem Wald und dem, was dahinter lag, gewarnt. Und waren Furcht und Vorsicht auch stark genug, dem Reiz des Verbotenen nachzugeben, so schwelte dennoch eine Flamme der Neugier in ihrem Inneren. Eine Neugier auf diesen geheimnisvollen Ort, in dessen Zentrum ein bizarres Schloss aus Eiskristallen stehen sollte, das unter dem Schein von zwei Silbermonden in allen Spektralfarben leuchtete.
Amelie wandte ihren Blick ab, streifte weiter über Wiesen, auf denen der Tau im saftig grünen Gras glitzerte. Vorbei an hohen Hecken, in denen es geheimnisvoll raschelte – zu ihrer Lieblingsstelle, einem Jahrhunderte alten Steingrab, das sich inmitten von Wildblumen und Brombeerhecken befand.
Ihr Gesicht den zarten Sonnenstrahlen entgegengestreckt, die Augen geschlossen, gab sie sich dem Zauber des Moments hin, losgelöst vom Hier und Jetzt. Einfach nur den Augenblick genießend – bis sie spürte, dass etwas nicht stimmte.
Feiner Gesang war zu hören, glockenhell und klar. Amelies Blick wanderte suchend umher. Sie blinzelte erstaunt, als der Horizont sich schlagartig zu verfärben begann. Statt lieblichem Frühfrühlingsblau war von einer Minute auf die andere eine weiße, leicht violett schimmernde Nebelfront zu sehen, die sich gleich einem Vorhang zu teilen begann.
Der eisgraue See, der dahinter zum Vorschein kam, wirkte so real, dass Amelie meinte, Seeluft auf ihren Lippen zu schmecken. Still und schimmernd schmückte er das Firmament, so klar und rein wie das feinste Glas. Geheimnisvoll schimmernd ruhte er am fernen Horizont. Das Wasser kräuselte sich sanft.
Für den Bruchteil einer Sekunde tauchte ein greller Blitz auf, versetzte den See in Aufruhr. Inmitten der Schaumkronen stieg eine Insel aus dem Wasser, in deren Mitte ein prachtvoller Eispalast thronte. Gewaltig, groß und majestätisch. Die eisblau schimmernden Schneemauern waren mit vielen Simsen und Fensterbögen versehen. Obwohl sie aus Schnee und Eis waren, wirkten sie stark und sicher. Blass-lilafarbene Ranken wuchsen an den Mauern entlang und ein unwirklich fahles, einem mystischen Nebel ähnliches Licht leuchtete hinter den Fenstern. Ein faszinierendes Bild, das Amelie magisch in den Bann zog.
Die Insel war über und über mit Eiskristallen bedeckt. Eiskristalle, die das edle Gebäude sowohl schmückend als auch schützend umgaben.
Ungläubig bestaunte Amelie die bizarre Schnee- und Kristalllandschaft, die – seltsam verschwommen und doch so klar – das Firmament bedeckten, beschienen von den beiden Silbermonden, deren Strahlen sich an einem Punkt vor dem Palast zu kreuzen begannen.
Inmitten dieses geisterhaft mystischen Lichts tauchte eine Gestalt auf, strahlend schön, in eine weiße Robe gehüllt, die über und über mit silbernen Eisblumen bestickt war.
Die Schneekönigin, schoss es Amelie einem Stromschlag gleich durch den Kopf. Die Herrscherin des Eises, überirdisch schön – aber auch kalt und abgrundtief böse. Mit ihren Händen begann sie ein Netz aus blendend weißen Fäden in die Luft zu weben. Flink wie eine Spinne spann sie ihr Netz, ein filigranes Gebilde aus winzigen, funkelnden Kristallfäden, die sich schließlich langsam spiralförmig vom Horizont aus ins Dorf hinab auf ein bestimmtes Ziel zu bewegten.
Gebannt beobachtete Amelie das fremdartige Schauspiel, musste aber schon bald geblendet die Augen schließen. Sie blinzelte und konnte gerade noch erkennen, wie die Kristallfäden gebündelt auf eines der Dächer trafen. Dann war der Spuk vorüber und an der Stelle, wo eben noch die Schneekönigin inmitten ihres Reiches am Himmel zu sehen war, war nur noch strahlend blauer Himmel zu sehen, durchzogen von ein paar Zuckerwatte-Wolken, die nur wenig Ähnlichkeit mit der verschwundenen Schneelandschaft hatten.
Erst jetzt bemerkte Amelie die Anspannung, die ihren Körper durchfuhr. Vorsichtig blickte sie sich um und war sich nicht sicher, ob sie soeben einer Sinnestäuschung erlegen war.
Ihr Blick fixierte den Horizont, irrte suchend umher, konnte jedoch keine verräterischen Spuren mehr entdecken.
Fortsetzung folgt
Astrid Martini, geboren 1965, absolvierte eine Ausbildung zur Erzieherin. Inspiriert von ihrer Arbeit, entstanden zahlreiche Geschichten, Gedichte und Lieder für Kinder. Ende 2003 entdeckte sie ihre Vorliebe für erotische Liebesromane und schrieb zwischen 2003 und 2006 mehrere erotische Heftromane. Im Jahr 2006 erfolgte der große Durchbruch als Autorin mit ihrem Bestseller Zuckermond, der heute zu den modernen Klassikern der Erotikliteratur gezählt wird. Seit 2001 lebt Astrid Martini zusammen mit ihrem Lebensgefährten und mehreren Katzen im Norden von Berlin. Wir veröffentlichen obigen Text mit freundlicher Genehmigung des Plaisir d'Amour-Verlags, der viele Bücher von Astrid Martini publiziert.
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Die erste Romanfolge der Reihe stehen in der Liste oben, die neueste Romanfolge steht unten.
2 - Ihre Finger strichen über seine Lippen
3 - Die Herrscherin der Kälte
4 - Alles in ihm verzehrte sich nach ihr ...