Rena Larf: Auf den Hund gekommen - die bisherigen Folgen:
Liebesgeschichte
Nie mehr möchte Scarlett ihren Ex Chris wieder treffen. Und verabredet sich doch mit ihm ... Scarlett erfährt, welche Vorteile Hunde bieten und auch in Liebesdingen geht es voran. Eine erotische Liebesgeschichte von Rena Larf.
Ich litt. Wirklich!
Ich hatte schlechte Laune und schrieb mir dafür Überstunden auf. Die doppelte Menge.
Wäre Christian, mein alter Klassenkamerad auf der Durchreise nach Rostock, nicht wieder im Park Hyatt Hotel abgestiegen, wäre ich an der Sache zerbrochen.
Der antistatische Teppich tat meinen Knien gut und meine geschundene Weiberseele wurde von ihm mit Streicheleinheiten verwöhnt.
„Chris, es wird übrigens kalt. Strickst du mir eine Mütze aus Akopads?“
„Quatsch, Scarlett, die sind doch aus Metall! Am Ende empfängst du dann noch Radio Hamburg. Ich kleb’ dir was aus Moosgummi, wenn du willst.“
Wir grienten uns an und zogen Grimassen. Dann zog er sich ein Kondom über und legte sich auf den Rücken. Ich ritt ihn wie der Teufel!
Nachdem wir erschöpft gemeinsam eine geraucht hatten, gab Christian zu, dass der Tipp mit den Internetflirts ein Reinfall war. Stattdessen hatte er einen neuen Tipp für mich, um an den Traummann zu kommen.
„Scarlett, besorg’ dir einen Hund!“
„Was soll ich mit einem Hund?“
„Na, mit einem Hund lassen sich leicht und ungezwungen Kontakte knüpfen. Ein Hund ist ein ganz großer Flirtfaktor. Ein Spaziergang im Park kann zum Anfang einer Partnerschaft werden.“
„Ich habe doch gar keine Zeit für einen Hund.“ Dabei streichelte ich ihm zärtlich über seine Hoden.
„Dann nimmst du dir welche. Der Hund ist dabei bloß ein Vorwand, der dazu dient, den berühmen ersten Schritt zu tun!“ Christian spreizte seine Schenkel und ich musste an Hundefutter denken.
Zu Hause angekommen, dachte ich noch mal über seinen Vorschlag nach. Es stimmte. Hunde gingen unbefangen auf andere Menschen zu und brachen so das Eis.
Sie verteilten ihre Sympathien frei Schnauze. Eigentlich genau wie ich!
Aber dennoch hatte ich in meinem stressigen Job keine Zeit, um mich wirklich richtig um so einen Vierbeiner kümmern zu können.
Da kam mir eine Idee: ich brauchte einen Leihhund! Meine ältere Nachbarin im Hochparterre klagte seit einigen Wochen über die Leiden ihres Bandscheibenvorfalles. Ihr Jack Russel-Terrier Kiki war ein süßer Springinsfeld, nicht zu groß, schneeweiß und mit einem hellbraunen Kringel am rechten Auge. Kiki hatte einen wachsamen Blick und war ausgesprochen lebendig. Ich musste lächeln. Sie passte zu mir!
Die Nachbarin war hocherfreut, als ich ihr das lästige Gassi gehen abnehmen wollte, wenn ich zu Haus war, zumal das Wetter auch nicht unbedingt schöner wurde. So gingen Kiki und ich jeden Morgen gegen 8:30 Uhr und am späten Abend gegen 22 Uhr unsere Runde. An manchen Tagen war es wunderbar, spazieren zu gehen, man begegnete nur freundlichen Leuten. Morgens den ganzen Joggern, denen Kiki mit Elan und Gekläffe an die Beine gehen wollte, oder den Lieferanten, denen sie in ihre Körbe mit den Frühstücksleckereien sprang, die für eine Hundenase so verlockend waren.
Abends dann den Pistengängern oder den Besoffenen, die an die Hauswände pissten. Nicht nur Hunde markierten ihr Revier. Erfolgreich war Kiki als Flirtfaktor bis dato nicht gerade. Das Glück auf vier Pfoten ließ etwas auf sich warten.
Ich verlagerte am Wochenende mein eigenes Jagdrevier in den Stadtpark, wo ich mit Kiki zum Joggen ging.
Es hatte mich auch nur einen Tag gekostet, um sie auf den Unterschied zwischen Hühnerschenkeln und unrasierten Männerstelzen abzurichten!
Da sie nach wie vor ohne Leine unterwegs war, reagierte sie als besonders mutige und kontaktfreudige Terrierrasse bald schon auf wohlgeformte, haarige Männerbeine.
Am zweiten Laufwochenende entdeckte ich ihn, wie er an einer Bank Dehnübungen machte. Ich kannte ihn nicht, aber Kiki rannte gleich freudestrahlend auf den Mann zu und sprang ihm an die Wade.
Fortsetzung folgt
Rena Larf lebt und arbeitet als Autorin in Hamburg. Sie veröffentlicht in Online-Podcasts sowie in Anthologien und Literaturzeitschriften. Drei Bücher hat sie heraus gebracht, zuletzt Das Liebesleben einer Macho-Frau.
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